Stolperfallen bei der Finanzierung

Die klassischen Stolperfallen der Baufinanzierung sind oftmals die unklaren Gesamtkosten des Wunschprojekts, sowie die eigene Einschätzung zu sich selbst und die Wahl des Finanzierungsberaters.

Es ist sehr wichtig, alle Kosten des zu realisierenden Projektes zu kennen und ggf. zu erfragen und sich im Klaren zu sein, dass man hier eine einschneidende Entscheidung trifft, die einem eine lange Zeit im Leben begleitet.

Bei einer gebrauchten Immobilie dürfen die Kaufnebenkosten (Makler, Notar sowie die Grunderwerbsteuer) nicht außer Acht gelassen werden, da diese prozentual am Kaufpreis fest gemacht werden und einen nicht unerheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen.

Ebenso sollten die eventuell anfallenden Renovierungs- sowie Sanierungskosten realistisch bemessen werden. Hierzu zählen auch energetische Verbesserungen wie Solar, Fenster und Heizung. Etwaige Eigenleistungen gilt es zu berücksichtigen und diese nicht allzu hoch ansetzen. Da viele Käufer eine Mietwohnung bewohnen: eine Mietwohnung nicht kündigen, bevor der Notarvertrag unterschrieben ist.

Bei dem Neubau einer Immobilie ist es essenziell wichtig, nicht nur den Hauspreis, sondern den Preis der Bodenplatte, aber vor allem (!) die Baunebenkosten großzügig zu bemessen und nicht aus den Augen zu verlieren. Die Baunebenkosten steigen aktuell von Jahr zu Jahr, da die Energieversorger bzw. Baufirmen ihre Preise in regelmäßigen Abständen erhöhen. Es können Baufinanzierungsraten beginnen, so lange man noch Miete bezahlt. Dieser Kostenfaktor muss dringend berücksichtigt werden, da hier eine Doppelbelastung existenzgefährdend sein kann. Der bereitstellungszinsfreie Zeitraum der Finanzierung sollte immer auf das Maximum hinausgezogen werden, da sich bei einem Neubau, sei es Massivhaus oder Fertighaus, immer wieder Umstände ergeben, die den geplanten Bezug des Eigenheimes verzögern können.

In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Kunden sich im Hinblick auf Ihre Kapitaldienstfähigkeit oder Eigenleistung am Projekt entweder unter- oder überschätzen. Setzen Sie sich hier dringend mit Ihrem finanziellen Spielraum auseinander. Hier hilft eine genaue Auflistung Ihrer monatlichen Einnahmen und Ausgaben.

Dringende Fragen, die man sich stellen muss:

  • Wie viel kann ich tatsächlich monatlich für meine Finanzierung aufbringen?
  • Habe ich weitere Einnahmequellen oder wiederkehrende Gehaltssonderzahlungen, die ich in die Finanzierung einfließen lassen will?
  • Habe ich Ausgaben, die jährlich abgebucht werden, die ich unbedingt beachten muss?
  • Wie hoch werden meine Nebenkosten der Immobilie werden (Strom, Heizung, Versicherung, Grundsteuer … usw.), ist meine Wunschrate mit den geschätzten Nebenkosten noch realistisch tragbar?
  • Läuft eine weitere Finanzierung oder mehrere und kann ich diese zusammenfassen?
  • Habe ich mir Eigenkapital erspart, welches ich in die Finanzierung einbringen möchte?

Ebenso verhält es sich bei der Eigenleistung, wenn Sie am Eigenheim etwas selber umsetzen möchten.

  • Wie viel Zeit und Kraft kann ich neben meinen beruflichen, sowie familiären Verpflichtungen aufbringen um mein Eigenheim in den Wunschzustand zu versetzen?
  • Geht viel von meiner eigenen Freizeit für das Projekt verloren, so dass ich keine Zeit mehr für meine persönliche Erholung habe?
  • Habe ich Helfer, die mir bei der Umsetzung zur Hand gehen und auf die ich mich verlassen kann?

Die Über- bzw. Unterschätzung der eigenen Kapitaldienstfähigkeit ist auch ein entscheidender Faktor einer gelingenden Finanzierung, sowie der Umsetzung des Traumes vom Eigenheim.

Der Faktor Zeit, also wie lange möchte ich meinen Traum bezahlen, ist hier eine der größten Stolperfallen. Setzen Sie sich hierbei ein fixes Maximaldatum in der Zukunft und besprechen Sie aufgrund des Faktors gewünschte Ratenhöhe und maximaler Finanzierungsdauer Ihren Wunsch mit Ihrem Finanzierungsberater.

Auch in diesem Punkt gibt es einiges zu beachten.

Der erste Weg führt hierbei in der Regel zur Hausbank, die einen oftmals schon seit Kindertagen begleitet. Man kennt sich seit langem und hat ein vertrautes Verhältnis.

Jedoch weiß die Hausbank über alles, was Ihre finanziellen Angelegenheiten betrifft, Bescheid. Fluch und Segen zugleich. Sollte auf Ihrem Konto in den letzten Wochen, gar Jahren einmal oder des Öfteren eine Rücklastschrift ersichtlich sein, kann einem das negativ ausgelegt werden und sich in der Kondition niederschlagen. Ebenso ist hier oft der Faktor Eigenkapital ein Entscheider über positive oder negative Kreditentscheidung, je nach Regelwerk der Bank. Oftmals werden standardisierte Produkte angeboten ohne Konzept.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt eine deutliche Kurve: Die Hausbank-Finanzierungen nehmen deutlich ab, die Vermittler-Finanzierungen hingegen nehmen deutlich zu.

Warum ist das so? Ein Vermittler arbeitet mit etlichen Banken zusammen, regional wie auch überregional. So hat er mehrere Konditionen vor sich und wird Ihnen hieraus die Beste für Sie empfehlen. Deutlich zeigt sich hier auch die Konzeptionierung, da Finanzierungsmakler öfter Konzeptfinanzierung anbieten.

Beleuchten Sie hier für sich folgende Punkte:

  • Welches Angebot ist für mich das Günstigere?
  • Welches Angebot ist für mich das Bessere? (Vergleich macht Reich!)

Jedoch – bedenken Sie den Satz vom Anfang des Blogs: „eine lange Zeit im Leben begleitet“

Entscheiden Sie nach Zahlen und Fakten, aber auch danach, bei wem Sie sich wohler fühlen und mit wem Sie sich vorstellen können, lange Zeit zu kooperieren, da auch die Finanzierung in der Regel über mehrere Jahre andauert.

„Willst Du den Wert des Geldes kennenlernen: Geh und versuche Dir welches zu borgen“ – Benjamin Franklin (1706-1790)

Seidel Dagmar

Dagmar Seidel

Spezialgebiete

  • Baufinanzierungen

  • Ratenkredite

  Menschen den Wunsch von den eigenen vier Wänden zu erfüllen ist meine Leidenschaft. Eine fachlich fundierte, verständliche und empathische Beratung ist mir das Wichtigste, damit der Weg zur Traumimmobilie Wirklichkeit wird.